Wie Alexander F. Aufschieberitis verbannte – für immer!

Aufschieberitis ist für viele Menschen ein großes Thema, das sie oft ihr Leben lang nicht loswerden. Dabei ist es gar nicht so schwer, die meisten gehen die Sache nur komplett falsch an. Daher will ich dir die Geschichte von Alexander erzählen, einem meiner Klienten, der besonders unter Prokrastination gelitten hat. Alex war aber auch jener Klient, der das Problem am schnellsten in den Griff bekam.


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Wer ist Alexander F.?

Alex arbeitet im mittleren Management einer großen Bank und leitet da ein Team von circa 20 Mitarbeitern. Neben den Führungsaufgaben steckt Alex nach wie vor mitten im Tagesgeschäft, was eigentlich gar nicht seine Aufgabe sein sollte. Ich habe Alex in einem Delegieren-Workshop kennengelernt, den ich für einige Führungskräfte der Bank gegeben habe. Kurz darauf buchte er ein Einzelcoaching, in dem es um mehrere Herausforderungen ging, an denen wir gearbeitet haben. Ich berichte hier nur vom Aufschieberitis-Teil.

Der Preis, den Alex für Aufschieberitis bezahlte

Prokrastination hat seinen Preis, bei jedem Menschen. Bei Alex waren es vor allem viele verpasste Möglichkeiten, bei denen sich sein Aufschieberitis-Problem bitter rächte. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Während sich Freunde trafen, um Konzerte oder Sportevents zu besuchen, saß er im Büro, um auf den letzten Drücker das Projekt doch noch abzuschließen.
  • Er verpasste auch beruflich immer wieder Deadlines, was ihm im Rennen um eine Beförderung schon dreimal leer ausgehen ließ. „Es tut mir leid, Herr F., Sie wären eigentlich der am besten geeignete Kandidat für die Stelle, aber wir brauchen einen verlässlichen Mitarbeiter auf diesem Posten, der Deadlines ernst nimmt“, hörte er immer wieder.
  • Seine Frau war auch des Öfteren „not amused“, wenn sie das Abendessen alleine zu sich nahm, weil Alex wieder im Büro festhing. Ein Thema, das mit jedem Mal mehr Zündstoff in die Ehe brachte.
  • Aber das Schlimmste war für Alex, dass die gesamte Aufschieberitis-Situation, oder besser gesagt die Folgen davon, unheimlich an seinem Selbstvertrauen und seinem Selbstwertgefühl nagten.
  • Es fiel ihm außerdem immer schwerer, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die getroffen werden müssen, auf die lange Bank zu schieben, ist selten eine gute Idee. Darunter litt nicht nur er, sondern das färbte sich mittlerweile auf sein gesamtes Team ab.

Wenn man sich das so durchliest, dann ist eines klar: Es war ein hoher Preis, den Alex für sein Aufschieberitis-Problem bezahlte.

Der Selbstversuch von Alex F.

Alex war es natürlich bewusst, dass Aufschieberitis das Grundproblem war, das all die anderen Probleme verursachte. Und es war auch nicht so, dass er nicht versucht hätte, dieses Problem zu lösen.

Natürlich befragte er Mr. Google zu seinem Problem und fand auch einige spannende Tipps, die er ausprobierte. Im Nachhinein betrachtet war das aber nicht mehr als ein kurzes Strohfeuer. Ja, diese Tricks funktionierten ein-, zweimal, aber dann lief alles wieder so wie immer ab.

Alex ging sogar so weit, dass er es mit Hypnose probierte, obwohl er das eigentlich für Hokuspokus hielt. Aber er wusste, dass in wenigen Monaten wieder eine Stelle ausgeschrieben wurde, die er gerne übernehmen würde. Und wenn er die Karriereleiter in der Bank hochklettern wollte, dann musste er alles versuchen, um sein Problem zu lösen.

Aber auch die Hypnose brachte keinen Erfolg. Alex fiel mit allem, was er probierte, immer wieder auf die Schnauze. Und er sagte mir auch unverblümt, dass er wenig Hoffnung hatte, das Problem mit mir in den Griff zu bekommen.

Aufschieberitis
ELG21 / Pixabay

Exkurs: Warum schieben wir eigentlich auf?

Die Antwort ist einfach: Stell dir zwei Magneten vor. Der eine ist relativ nahe und der andere weiter entfernt. Welcher Magnet wird dich wohl eher anziehen, wenn du ein kleiner Metallroboter wärst?

Oder anders ausgedrückt: Wir werden von Aktivitäten angezogen, die uns sofortige Befriedigung verschaffen, und viel weniger von Aktivitäten, die uns erst zukünftig befriedigen. Mehr Erfolg haben wir natürlich, wenn wir uns auf jene Dinge fokussieren, die uns zukünftige Befriedigung verschaffen.

Das Paradebeispiel: Auf der Coach zu liegen, Popcorn zu essen und Netflix zu schauen, verschafft sofortige Befriedigung. Stattdessen ins Sportstudio zu gehen und zu trainieren, schafft zukünftige Befriedigung (in Form von Gesundheit, Mobilität und Lebenszufriedenheit).

Fakt ist: Hast du den Unterschied zwischen sofortiger Befriedigung und zukünftiger Befriedigung verstanden, wirst du die Gründe, warum du aufschiebst, sehr schnell erkennen!

Bei Alex waren es zwar nur am Rande Netflix, Facebook oder die Couch, er hatte aber andere Baustellen:

  • Mit Kollegen „Schmäh führen“ und plaudern statt sich mit dem aktuellen Projekt auseinanderzusetzen.
  • Die einfacheren Aufgaben hatten den Vorzug vor den schweren, aber wichtigen.
  • Im Tagesgeschäft aktiv zu sein, statt Führungsaufgaben zu übernehmen.

12 Gründe, warum wir aufschieben

Ich habe Alex zwölf Gründe für Aufschieberitis vorgestellt und er musste gleich bei einigen davon nicken. Alex fragte dann berechtigterweise: „Aber was hilft mir das jetzt? Zu wissen, warum ich aufschiebe, bringt mich doch kein Stück voran.“

Ich widersprach ihm: „Das Wissen alleine zwar noch nicht, aber du hast jetzt den Schlüssel dazu in der Hand.“

Ich erklärte weiter:

„Stell dir das so vor: Aufschieberitis ist wie eine große verschlossene Tür, die du öffnen musst, und dann geht es ans Abarbeiten. Die richtige Taktik (sechs davon habe ich in den Podcast-Folgen 453 – 458 vorgestellt hier geht es zum Podcast) ist der Schlüssel zu dieser Tür. Das Problem, das wir jetzt haben, ist, dass wir nicht nur vor einer Tür stehen, sondern vor vielen. Den Generalschlüssel zu allen Türen gibt es leider nicht. Also musst du genau wissen, welcher Schlüssel auf deinem Schlüsselbund zu welcher Tür passt. Sobald du das weißt, hast du Aufschieberitis im Griff!“

Alex blickte mich an, als hätte er keinen Plan, worüber ich rede. Also erklärte ich weiter:

„Nehmen wir ein Beispiel her: Du hast gestern Aufgabe A aufgeschoben, weil du statt zehn Minuten gleich 45 Minuten mit deinen Kollegen Schmäh geführt hast. Der wahre Grund dafür ist deine Abneigung gegen harte Arbeit und Aufgabe A ist eine beschissen harte Arbeit. Also bringt dir das Schmähführen die kurzfristige Befriedigung und du tauschst sie gegen die langfristige ein, das wäre zum Beispiel die Beförderung. Damit kennst du schon mal die Tür, die du aufsperren musst. Nennen wir die Tür einfach ‚Abneigung gegen harte Arbeit überwinden‘. So jetzt stehen wir schon mal vor der richtigen Tür. Jetzt brauchen wir noch den Schlüssel zu dieser Tür. Und diese ‚Abneigung gegen harte Arbeit überwinden‘-Tür ist eine besonders gemeine. Das ist eine, die hat sogar zwei Schlösser, für die du verschiedene Schlüssel brauchst. Was wir jetzt machen, ist herauszufinden, welche zwei Schlüssel das sind, die Schlüssel zu beschriften, damit wir sie das nächste Mal leicht erkennen und der Tür zuordnen können.“

Langsam, aber sicher wurde es Alex klar, warum die Tipps, die er im Internet fand, nicht halfen. Es waren einfach die falschen Schlüssel für die Tür, die er öffnen musste. Wenn man das mal weiß, dann ist es leicht, einen klaren Ablaufplan daraus zu entwickeln:

  1. Erkenne, dass du aufschiebst.
  2. Erkenne, aus welchem Grund du im Moment gerade aufschieben willst. Es kann durchaus eine Kombination aus mehreren Gründen sein.
  3. Gehe zur richtigen Tür.
  4. Öffne sie mit dem richtigen Schlüssel.
  5. Leg los!

Plötzlich profitierst du von der langfristigen Befriedigung statt von kurzfristiger – und der Beförderung steht nichts mehr im Wege.

„Okay, das klingt vollkommen einleuchtend. Jetzt weiß ich, warum bei mir nie ein Tipp gegen Aufschieberitis funktioniert hat. Ich stand vermutlich mit einem falschen Schlüssel vor der falschen Tür“, antwortete Alex.

Und genau so war es auch!

Der Masterplan gegen Aufschieberitis

Was Alex und ich dann in den folgenden Wochen erstellt haben, war ein Masterplan gegen Aufschieberitis. Der Ablauf dabei war immer der gleiche:

  1. Definiere die Aufgabe, die du aufschiebst.
  2. Definiere den Moment / den Status / die Situation.
  3. Erkenne das WARUM dahinter.
  4. Wähle aus 37 Taktiken, die Alex von mir zur Verfügung gestellt bekommen hat, eine aus.
  5. Teste sie.
  6. Funktioniert sie, übertrage sie in deinen Masterplan.
  7. Funktioniert sie nicht, suche dir eine andere Taktik aus und kehre zu Punkt 5 zurück.

Warum ist es so wichtig, den Moment, den Status oder die Situation zu definieren? Ganz einfach, du brauchst andere Taktiken, wenn du das Fitnesstraining nach einem langen Arbeitstag aufschiebst, als wenn du es am Wochenende aufschieben willst.

Im Masterplan von Alex steht die entsprechende Aufgabe, Moment/Status/Situation und der Plan, also welche Taktiken er da im Detail anwenden will. Nach einigen Woche hatte Alex eine Liste aus 32 Kombinationen aus Aufgabe bzw. Moment/Status/Situation in seinem Masterplan stehen. Und damit hatte er das Tool in der Hand, das er brauchte, um Aufschieberitis massiv zu minimieren.

Den Posten, für den er sich damals zum vierten Mal beworben hat, hat er übrigens wieder nicht bekommen. Allerdings klappte es ein Jahr später mit einem offensichtlich noch besseren Job.

Dein persönlicher Master-Plan gegen Aufschieberitis

Hast du Interesse daran, deinen eigenen Masterplan gegen Prokrastination zu erstellen? Dann lade ich dich zu meinem Anti-Aufschieberitis-Workshop ein, in dem wir genau das gemeinsam tun werden.

Hier die Termine:

  • Samstag, 05.03.2022, 08:30 bis 09:30 – Die Grundlagen zu Aufschieberitis
  • Samstag, 12.03.2022, 08:30 bis 10:00 – 27 Taktiken gegen Aufschieberitis + Masterplan
  • Samstag, 19.03.2022, 08:30 bis 09:30 – FAQ-Session

Inklusive Aufzeichnungen aller Livecalls, Forum und Gruppe zum Austausch und natürlich sind auch alle Worksheets mit dabei.

Die Anmeldung ist noch bis zum 04.03.2022 um 23:59 Uhr möglich.

Hier geht es zum Workshop!

 

Ich freue mich darauf, wenn du am 19.3. deinen Masterplan gegen Aufschieberitis in den Händen hältst. Du wirst sehen, es ist ein ganz anderes Mindset und Lebensgefühl.

Liebe Grüße,

Thomas

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