Heute habe ich im Podcast Ben Paul von Anti-Uni.com zu Gast. Er verrät uns im Interview wie er zu diesem außergewöhnlichem Blog-Projekt kam, warum er sein Elite-Studium abgebrochen hat, wie er seine eigene Bildung organisiert, wie er es schafft jede Woche ein neues Buch zu lesen,  wie er seine Ziele, seinen Tag, sein Selbstmanagement und seine Reisen so organisiert und vieles mehr!
Es ist ein extrem spannendes Gespräch das ich mit Ben führen durfte, also hör unbedingt rein!


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Der Blog von Ben: Anti-Uni.com

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Das Interview mit Ben Paul

Thomas: Hallo Ben, es freut mich, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Zunächst einmal, ich habe es ja in der Einleitung schon erwähnt: Du machst anti-uni.com. Vielleicht möchtest du dich meinen Hörerinnen und Hörern ein bisschen vorstellen und etwas über anti-uni.com erzählen.

Ben: Hallo Thomas, es freut mich. Anti-uni.com, das klingt erst einmal so ein bisschen rebellisch, aber eigentlich ist meine Absicht eine ganz gute. Es geht im Endeffekt darum, Studenten oder jungen Menschen zu helfen, ihren eigenen Bildungsweg zu finden. Wenn man zum Beispiel nach dem Abi noch nicht so genau weiß, was man machen soll, dann möchte ich den jungen Menschen einfach so ein bisschen zeigen, welche Möglichkeiten es gibt. Wie können sie herausfinden, was wirklich ihre Leidenschaft ist, was sie wirklich machen wollen? Das ist so die eine Sache. Und die andere Sache ist, dass ich jungen Menschen auch einfach selbst zeigen möchte, dass man nicht unbedingt an die Uni gehen muss. Sondern dass man, wenn man sich zum Beispiel für Entrepreneurship interessiert, dass man sich das auch sehr gut außerhalb der Uni beibringen kann. Darum geht es.

Thomas: Cool! Ja, ich kann jedem nur empfehlen, mal hineinzusehen. Ich bin Dauergast auf deinem Blog! Also über Feedly habe ich ihn abonniert, das ist wirklich sehr genial. Ben, du warst auf einer Elite-Uni, bist dann abgegangen und hast nachher Geschäftsideen getestet. Wie kann man sich das vorstellen?

Ben: Ich habe erst einmal eine relative Musterschüler-Karriere gemacht. 2010 habe ich ein ziemlich gutes Abi gemacht und bin dann ohne viel zu zögern an eine recht elitäre Uni nach Hamburg gegangen. Dort habe ich ein Jahr Jura studiert. Nach einem Jahr stand ich kurz vor dem Burnout und habe gemerkt, dass Jura nicht so wirklich mein Ding ist. Dann habe ich erst einmal ein Jahr Auszeit genommen, und danach habe ich dann gemerkt, was ich wirklich machen möchte. Denn in dem Jahr im Ausland hatte ich endlich mal Zeit, mich mit mir zu beschäftigen und zu überlegen, was ich wirklich machen möchte. Dann habe ich gemerkt, dass ich selbst etwas auf die Beine stellen möchte. Und dann bin ich glücklicherweise in einen Workshop hineingeraten vom Idea Camp, hier in Berlin. Da ging es darum, in zwei Tagen eigene Geschäftsideen umzusetzen. Das fand ich so cool, und ich habe mich dort so wohl gefühlt, dass ich die Jungs angesprochen habe, ob ich bei ihnen ein Praktikum machen kann. Und dann haben wir direkt einen Deal gemacht, und ich habe angefangen, für sie einen Blog zu schreiben. So begann auch meine Blogger-Karriere. Auf onedayprofits.de habe ich dann angefangen, zu bloggen. Gleichzeitig habe ich eigene Geschäftsideen umgesetzt, mit deren Unterstützung, quasi mit deren Mentoring. Und das Erste, was wir getestet haben, wir wollten die ganzen Deals-Seiten, die es im Urlaubsbereich gibt, also im Reisebereich, wie Urlaubsguru oder Urlaubspiraten, dafür wollten wir quasi eine Meta-Suchmaschine bauen, die quasi akquiriert. Wenn du weißt, du möchtest im Juni nach Thailand, dass du dann in unsere Reise-Suchmaschine eingibst, wann du wohin in Thailand reisen möchtest, und wir dann aus diesen ganzen Deals-Seiten das günstigste Angebot raus suchen, also den wirklich absoluten Preishammer. Und das haben wir getestet, und es ist ganz gut angelaufen. Dann haben wir jedoch gemerkt, dass der Reisesektor eigentlich ziemlich verbrannt ist und wir gar nicht so viel Bock auf diesen Sektor haben. Und dann haben wir das eingestellt. Das Zweite, was ich dann gemacht, war ein Workshop, den ich ins Leben gerufen habe, um Menschen zu helfen, ihre Komfortzone zu verlassen. Das war so das zweite Ding, was ich dann gemacht habe.

Thomas: Zum Thema Komfortzone werden wir später noch kommen. Darüber hast du auch einen sehr guten Blogartikel geschrieben. Das heißt, du bist quasi von der Uni-Theorie mehr oder weniger gleich in die Praxis gewechselt, kann man sagen.

Ben: Ja, genau. Seit ich ein Jugendlicher war, hatte ich immer Geschäftsideen. Mir sind immer Probleme aufgefallen, zum Beispiel, wenn ich durch eine fremde Stadt gelaufen bin, wo ich dachte, „hey, das kann man doch irgendwie besser machen“. Aber ich war immer so der Theoretiker. Ich habe die Sachen nie umgesetzt, sondern habe nur darüber geredet. Ich war nie so der Macher. Und deswegen dachte ich, ich sollte einfach mal anfangen, etwas zu machen. Und bis jetzt ist es ziemlich cool zu sehen, was sich alles so ergibt, wenn man mal anfängt. (Lacht)

Thomas: (Lacht) Das kann ich nur unterstreichen!

Ben: Das kannst du bestätigen, nicht wahr?

Thomas: Genau, genau. Kommen wir zurück zur Bildung. Was mir besonders gefällt: Du organisierst deine Bildung mithilfe von drei Säulen. Kannst du vielleicht diese drei Säulen ein wenig genauer vorstellen?

Ben: Das mache ich gerne. Die erste Säule, die habe ich „Machen“ genannt. Weil ich gemerkt habe, dass ich so viele Dinge lerne, in dem ich einfach Projekte mache. Das war einerseits, diese Geschäftsidee im Reisesektor zu testen, und es war dann, meinen eigenen Workshop ins Leben zu rufen. Da habe ich so viel gelernt. Es ging damit los, einen Workshop zu konzipieren. Dann das Marketing dafür zu machen, den Workshop durchzuführen. Einfach Dinge, die ein Student sonst nicht lernt und die mich einfach unglaublich in meiner persönlichen Entwicklung weiterbringen. Das ist so die erste Säule, einfach Dinge machen. Das ist vor allem das Schreiben, das Bloggen, und mir dabei einfach viel Know-how – quasi Learning by Doing – anzueignen. Ich treffe auch viele Leute, die denken, dass sie in diesem oder jenem Bereich noch viel lernen müssen, bevor sie sich trauen, etwas zu machen. Letztens habe ich dazu einen coolen Artikel gelesen, der heißt „Start before you feel ready“. Ich glaube, er ist von Paul Graham, einem echt bekannten amerikanischen Entrepreneur. Das heißt, viele Menschen warten einfach viel zu lange, bis sie etwas umsetzen, weil sie immer das Gefühl haben, dass sie noch nicht genug wissen. Das war bei mir lange Zeit auch so. Ich dachte, „okay, vielleicht musst du einfach anfangen, auch wenn du noch nicht alles weißt auf dem Gebiet“. Einfach anfangen und den Rest im Prozess lernen. Bisher klappt das ganz gut. Es ist natürlich eine Herausforderung, aber ich finde, dass ich so sehr schnell und sehr effektiv lerne.

Das war die erste Säule. Die zweite Säule umfasst vor allem Workshops und Events, die ich besuche. Das heißt, ich belege Seminare im Bereich Personal Development. Vor zwei Wochen habe ich einen Workshop zum Thema gewaltfreie Kommunikation besucht. Ich beschäftige mich mit NLP und verschiedenen Themen in dem Bereich. Und ich versuche auch, Events zu besuchen. Ich gehe auf Gründer-Events, treffe andere junge Leute und tausche mich mit ihnen aus. Und ich lerne viel von den Leuten, die um mich herum sind, zum Beispiel von meinen Mentoren. Von ihnen schaue ich mir Dinge ab. Das ist so die zweite Säule. Die dritte Säule ist… ach Quatsch, bei der zweiten Säule habe ich noch vergessen: Da gehören noch die Bücher rein! Und zwar versuche ich gerade, jede Woche mindestens ein Buch aus verschiedenen Bereichen zu lesen, zum Beispiel aus  dem Bereich Personal Development. Gerade lese ich viel zum Thema „Wie funktioniert eigentlich Lernen?“ und auch so zum Thema Blogging.

Und die dritte Säule ist das Reisen, weil ich einfach merke, dass mich reisen jedes mal in meiner persönlichen Entwicklung weiterbringt und meinen Horizont ungemein erweitert. Deswegen habe ich das einfach mal aufgenommen und versuche, so viele Trips wie möglich zu machen.

Thomas: Ich kann das nur unterstreichen. Als ich mit meinem Selbstmanagement-Blog begonnen habe – ich bin immer noch nicht optimal im Selbstmanagement, aber man lernt immer wieder etwas dazu – aber wenn man erst einmal anfängt, dann lernt man dadurch wirklich extrem viel. Das kann ich auch absolut bestätigen. Und auch die zweite Säule, die du beschrieben hast, die Erwachsenenbildung. Das sind lauter motivierte Menschen, die bezahlen viel Geld dafür. Das kann man nicht mit Schule oder Uni vergleichen. Und da kann man auch extrem viel lernen, das kann ich auch unterstreichen.

Ben: Ja genau. Wenn ich nämlich mein eigenes Geld in die Hand nehme, um einen Workshop zu besuchen, dann gehe ich da auch mit einem komplett anderen Mindset rein, als wenn ich mich in eine Vorlesung hocke, die mich nur halb interessiert.

Thomas: Genau, so sehe ich das auch. Ich möchte noch auf das Bücher Lesen zurückkommen. Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch? Oder wie viel Zeit investierst du ins Lesen? Und wann liest du – abends, morgens oder hast du bestimmte Lieblingszeiten?

Ben: Die ursprüngliche Challenge, mit der ich begonnen habe, war wie gesagt, ein Buch pro Woche. Gerade habe ich das ein bisschen erhöht und versuche, 100 Seiten pro Tag zu lesen. Ich habe einfach gemerkt, dass mein Input-Output-Verhältnis nicht stimmt. Das heißt, ich benötige gerade ein bisschen mehr Input und habe einfach das Bedürfnis, mich mehr dem Lernen zu widmen, und auch der Theorie. Und das heißt, genau 100 Seiten pro Tag. Ich lese vor allem morgens und habe so ein bis drei Stunden jeden Morgen eingeplant, die für das Lesen reserviert sind. Das heißt, ich stehe sehr früh auf, in der Regel so zwischen 05:00 und 06:00 Uhr. Ich habe eine Morgenroutine, in der ich Sport mache, ein bisschen meditiere und immer etwas Neues übe. Gerade übe ich Handstand. Danach habe ich meine zwei Stunden, in denen ich lese. Und danach habe ich meine Schreibroutine. Dass ich quasi vor dem Mittagessen bereits Sport gemacht habe, gelesen habe, mir Input geholt habe und im besten Fall auch schon 1.000 Wörter geschrieben habe. Das ist so der optimale Morgen. Zwei bis drei Stunden lese ich in der Regel am Morgen.

Thomas: Super, hört sich gut an. Gibt es eine absolute Top-Buchempfehlung für das Selbstmanagement, von dem du sagst, „das ist das ultimative Buch“?

Ben: Ich habe gerade ein sehr inspirierendes Buch gelesen zum Thema – ja, es geht in die Richtung Selbstmanagement. Das heißt „The Motivation Hacker“, das kann ich sehr empfehlen. Da schreibt ein junger Kerl, der ein Startup hat, darüber, wie er in kürzester Zeit die verrücktesten Dinge auf die Beine gestellt hat und seine Motivation gehackt hat. Das kann ich echt empfehlen, das hat mich sehr inspiriert. Und sonst zum Thema Bildung ist das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, „Education of Millionaires“. Das ist absolut zu empfehlen. „Choose Yourself“ von James Altucher, das hat mir auch sehr gut gefallen. Und gerade lese ich auch ein sehr, sehr inspirierendes Buch, das heißt „Unverkäuflich“ von Bobby Dekeyser, der auch eine sehr interessante Karriere hingelegt hat – vom Fußballprofi zum Weltunternehmer. Das ist super inspirierend, was er schreibt.

Thomas: Sehr gut, sehr gut. Das sind ja schon einmal ein paar coole Tipps, danke!

Ben: Ja, das sind gleich mehrere Tipps!

Thomas: Die nächste Frage hast du schon ein bisschen vorweg genommen: Wie sieht ein produktiver Tag für dich aus? Gibt es außer Sport am Morgen und Lesen und dann Schreiben noch irgendwelche Punkte, die für dich zu einem produktiven Tag dazu gehören?

Ben: Die Essenz ist wirklich die, wenn mein Morgen gut ist, dann ist der Tag gut. Das heißt, wenn ich morgens tatsächlich diese drei Teile schaffe, dann ist es in der Regel ein produktiver Tag. Der Nachmittag ist dann reserviert für Sachen wie Blogposts editieren, eMails beantworten, Kommentare beantworten und so weiter. Genau, die Essenz ist quasi, dieses frühe Aufstehen am Morgen, meinen Sport machen – ab und zu mache ich morgens auch Yoga. Das hilft mir auch, produktiv zu arbeiten, weil dann einfach mein Bewusstsein ganz anders ist und ich dann merke, dass ich viel besser priorisieren kann. Das ist echt verrückt. Und sonst ist es mir einfach wichtig, morgens meine Routine durchzuziehen. Mir wirklich die zwei Stunden zu nehmen, um zu lesen und meine 1.000 Wörter zu schreiben. Und sonst – abends merke ich, dass es mir gut tut, den Laptop einfach zu einer bestimmten Uhrzeit zuzuklappen und den Abend ausklingen zu lassen. Manchmal mache ich dann abends auch nochmal eine kleine Einheit Sport oder treffe mich mit Freunden. Dass ich eben den Laptop nicht bis zur letzten Minute aufhabe und unter Strom stehe, sondern wirklich den Abend langsam ausklingen zu lassen, um dann wieder fit zu sein für den nächsten Tag. Und genug schlafen – das ist so mein fettestes Learning für produktives Arbeiten.

Thomas: Das kann ich nur unterstreichen. Ich stehe auch sehr früh auf, und wenn man dann mal so einen Tag hat, wo man länger auf ist, dann ist man das nicht mehr ganz gewohnt. Wie schaffst du es, neue Rituale oder Gewohnheiten zu installieren in deinem Leben? Gibt es da irgendwelche Tipps, die du uns geben kannst?

Ben: Oh ja! Da habe ich schon super viel herumprobiert, seit ich meine Tage selbst organisieren muss. Am Anfang war es grauenvoll, ich habe bis nachmittags gepennt,  letztes Jahr, als ich angefangen habe mit meiner Selbständigkeit. Am Anfang habe ich mir immer viel zu viel vorgenommen und wollte zu viele Gewohnheiten und Rituale auf einmal in mein Leben integrieren. Ich mache gerade dieses Sea Change-Programm von Leo Babauta, das ist ziemlich cool. Er sagt, man soll immer nur eine Gewohnheit integrieren und dabei klein anfangen. Und ich merke, dass das eigentlich gut funktioniert. Gerade versuche ich, eine Meditationsgewohnheit zu integrieren. Meine Jogging-Gewohnheit ist quasi schon etabliert, das mache ich jeden Morgen. Und jetzt kommt quasi die Meditationsgewohnheit oben drauf. Und ich mache das im Moment so, dass ich jeden Morgen zwei Minuten meditiere, und zwar wirklich nur zwei Minuten. Cool wäre natürlich, wenn ich 15 Minuten schaffen würde. Zwei Minuten, die kriege ich einfach immer irgendwie unter. Wenn ich das einen Monat durchhalte, dann kann ich das immer noch erhöhen. Und da ist der Schlüssel, dass man sich selbst ein bisschen austricksen kann. Am Anfang, als ich diese Jogging-Gewohnheit integriert habe, da habe ich mir vorgenommen, jeden Tag sieben Kilometer zu laufen. Dann habe ich gemerkt, dass ich manchmal meinen Hintern nicht hochbekomme und habe mir als Ziel gesetzt, fünf Mal die Woche morgens mit Joggingschuhen draußen auf der Straße zu stehen und zwei Minuten zu joggen, oder wie auch immer. Und das bekommt man hin. Und sobald man zwei Minuten joggt, läuft man im Endeffekt sowieso länger.

Thomas: So habe ich meine Fitnessmethodik auch aufgebaut. Ich habe gesagt, „ich fahr mal eben ins Fitnesscenter und ziehe mich um“. Und dann geht man sowieso nicht mehr nach Hause. Wenn es einen ultimativen Selbstmanagement-Tipp gäbe, den du uns mitgeben könntest, welcher wäre das für dich?

Ben: Ein einziger?

Thomas: Ja.

Ben: Den habe ich ja eben quasi schon rausgehauen: Genug schlafen! Dann würde jetzt noch einen obendrauf setzen, und zwar: Pausen machen. Wirklich regelmäßig Pausen einzuplanen, wenn du selbständig bist. Bei mir funktioniert es wunderbar, mit der Pomodoro-Technik zu arbeiten. Das heißt, ich baue mir Zeit-Slots. Ich arbeite 50 Minuten und mache dann zehn Minuten Pause. 50 Minuten – zehn Minuten Pause – und dann mache ich eine halbe Stunde Pause. Nach dem Mittagessen nehme ich mir auch eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde, um einfach an die frische Luft zu gehen. Weil es einfach ungemein gut tut und ich danach doppelt so konzentriert arbeiten kann und unterwegs noch kreative Ideen habe. Das heißt, konsequent Pausen einhalten und darauf vertrauen, dass man danach wieder produktiver arbeiten kann als wenn man die Arbeit einfach durchzieht.

Thomas: Wie sieht dein restliches Jahr aus, Ben? Was hast du noch für Ziele und Zielsetzungen für heuer, was willst du noch umsetzen? Kannst du uns darüber ein bisschen was erzählen?

Ben: Anti-uni.com will ich auf jeden Fall weiter nach vorne bringen. Das ist schon sehr gut angelaufen und gibt ein cooles Feedback. Welche konkreten Ziele gibt es? Ich möchte im besten Fall bis Ende des Jahres wirklich vollständig davon leben können, von dem, was ich da mache. Und sonst habe ich dieses Jahr noch vor, viel zu reisen. Ich habe 100 Freiflüge zu verbraten…

Thomas: Ein Luxusproblem!

Ben: (Lacht) Ja, ich habe auf jeden Fall noch ein bisschen was vor. Hier habe ich eine Ziel-Liste, lass uns mal in meine Ziele hineinschauen! Ich schreibe mir das am Jahresanfang immer auf, und ich habe schon länger nicht mehr hineingeschaut. Im Sommer fliege ich in die USA, um mich dort ein bisschen mit den amerikanischen Education Hackern zu connecten. Und auch, um im besten Fall ein paar Blogger kennenzulernen. Und mein Ziel ist es auch, Ende des Jahres, wenn es in Berlin wieder kalt wird, ins Warme zu fliegen und von da aus zu arbeiten.

Thomas: Sehr schön, sehr schön, cooles Ziel!

Ben: Und um halt auch das Movement, das gerade um anti-uni.com entsteht, ein bisschen größer werden zu lassen. Mehr Menschen zu erreichen und vielleicht sogar noch dieses Jahr ein kleines Live-Event zu veranstalten. Wo wirklich die Leute mal zusammen kommen, weil das dann einfach nochmal eine komplett andere Dynamik gibt.

Thomas: Das hört sich sehr spannend an, dann musst du uns auf jeden Fall Bescheid geben.

Ben: Das mache ich.

Thomas: Jetzt waren wir gerade beim Thema „ins Warme fliegen“, da kommt meine nächste Frage sehr gelegen. Du hast nämlich einen hervorragenden Artikel über die Komfortzone geschrieben. Kannst du in einigen kurzen Worten erklären, warum man unbedingt die Komfortzone verlassen sollte? Was ist der große Benefit dahinter?

Ben: Die Komfortzone ist für mich das persönliche Weiterentwicklungsinstrument schlechthin. Weil ich finde, dass jedes mal, wenn du deine Komfortzone verlässt, entwickelst du dich persönlich weiter. Du machst neue Erfahrungen, lernst etwas dazu und wirst selbstbewusster. Es ist einfach unglaublich wichtig für die persönliche Weiterentwicklung.

Thomas: Das war kurz und bünding, sehr gut. Dann hast du auch eine Bucket-List wie ich, und die hast du auch veröffentlicht. Und ich habe auf deiner Bucket-List gelesen, dass du vier Sprachen in einem Jahr lernen willst. Mit welcher Strategie willst du das machen, und welche Sprachen sollen das sein? Bist du ein Sprachtalent? Für mich ist das sehr, sehr schwer vorstellbar. Es würde mich interessieren, wie du das umsetzt.

Ben: Ich habe tatsächlich ein kleines Sprachtalent. Und zwar bin ich darauf gekommen, als ich 2011/2012 in Nicaragua war und dort einen Freiwilligendienst gemacht habe. Ich war nach ungefähr zweieinhalb bis drei Monaten relativ fließend im Spanischen. Und das fand ich ziemlich cool. Dann bin ich kurze Zeit später auf den Blog von Benny Lewis – „Fluent in three month“ gestoßen. Das fand ich super cool, ich mag Sprachen voll gerne, ich finde das genial, wenn ich mich mit möglichst vielen Nationalitäten in ihrer Muttersprache unterhalten kann. Ich würde gerne Französisch lernen, ich würde gerne Italienisch, Chinesisch und Portugiesisch lernen. Und das wollte ich am besten in einem Jahr machen. Sozusagen als kleine Challenge!

Thomas: Benny Lewis hat auch gerade ein Buch auf Amazon herausgegeben, das auch „Fluent in three month“ heißt, und das lese ich gerade selbst. Ich möchte nämlich auch im Laufe dieses Jahres mit Spanisch beginnen. Sehr spannende Strategien hat er in seinem Buch, dass muss ich schon sagen. Auch ein sehr spannender Wunsch oder ein Ding, das du auf deiner Bucket-List hast, ist, ein Jahr lang um die Welt zu reisen. Das ist nicht außergewöhnlich, aber das Besondere daran ist, du willst das ohne Geld machen. Wie kann man sich das vorstellen?

Ben: (Lacht) Ja, das ist auch so eine verrückte Idee. Als ich unterwegs war, habe ich so viele Menschen getroffen, die mir angeboten haben, dass ich kostenlos bei ihnen übernachten kann oder die mir einen Transport angeboten haben. Ich bin teilweise durch Südamerika getrampt und habe einfach gesehen, hey, es ist so cool – ohne Geld als Mittel kommt man einfach auf einer viel persönlicheren Ebene in Kontakt mit den Menschen, zum Beispiel, wenn man Tausch-Deals machst. Oder wenn du einfach vertraust, dass Menschen gutmütig sind und dir weiterhelfen möchten. Und dann habe ich einfach gemerkt, dass es viel cooler war, Couch-Surfing zu machen und zu trampen, als Busse zu nehmen und dann in Hostels abzusteigen. Ich war einfach viel näher an den Leuten dran und habe sie viel besser kennengelernt. Ich habe einfach eine voll tiefe Connection zu ihnen hergestellt. Und dann habe ich mir überlegt, dass das doch mal ein cooles Projekt wäre, zu versuchen, ein Jahr ohne Geld um die Welt zu reisen. Vorher Spenden zu sammeln zum Beispiel, um mit der Reise ein Bildungsprojekt zu verbinden. Ich fände das eine coole Herausforderung. Es ist natürlich einfach, zum Beispiel in Peru zum Bus-Terminal zu gehen und dir ein Busticket zu kaufen. Aber es ist eine Komfortzonen-Challenge, dich an die Straße zu stellen und den Daumen rauszuhalten, und zu versuchen, weiterzukommen, auch wenn dich nach einer halben Stunde immer noch niemand mitgenommen hat. Ich habe dadurch so viele interessante Leute kennengelernt, dass ich gedacht habe, dass das mal ein cooles und herausforderndes Projekt wäre.

Thomas: Das glaube ich. Also, es ist auf jeden Fall sinnvoll, deinen Blog zu verfolgen, weil du das ja auch sicher dort alles verschriftlichen wirst.

Ben: Das werde ich natürlich versuchen.

Thomas: Damit sind wir schon bei meiner letzten Frage, Ben, und die stelle ich jedem Interviewpartner, nämlich: Wo siehst du dich in zehn Jahren? Was macht der Ben 2024, und was wird er in diesen zehn Jahren erlebt haben? Wir haben ja jetzt schon ein bisschen was gehört.

Ben: Wow, das ist eine coole Frage! In zehn Jahren sehe ich mich als verrückten, digitalen Nomaden, der um die Welt reist, Vorträge zum Thema Alternative Bildung hält und junge Menschen dabei unterstützt, ihre Träume zu verwirklichen und ihr eigenes Ding zu machen. Das ist der Plan (Lacht).

Thomas: (Lacht) Ausgezeichneter Plan!

Ben: Und ich möchte auf jeden Fall Autor werden. Ich habe vor, Ende dieses Jahres – Anfang nächsten Jahres über das Ganze, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, ein Buch zu schreiben. Das ist auf jeden Fall auch noch ein Projekt.

Thomas: Ich werde meine Leser auf meinem Blog auf dem Laufenden halten. Aber ich denke, wer interessiert ist, der schaut einfach auf anti-uni.com. Und da gibt es noch viel, viel von dir zu lesen in Zukunft.

Ben: Ich freue mich auf jeden Fall.

Thomas: Ben, ich bedanke mich recht herzlich für das wirklich spannende Interview und wünsche dir noch viel Erfolg. Für dich geht es jetzt nach Barcelona, habe ich gehört. Ich wünsche dir viel Spaß in Barcelona!

Ben: Ja, voll gerne, hat mir super viel Spaß gemacht. Ich danke dir, Thomas.

Thomas: Gerne, ciao!

Ben: Dankeschön, ciao.